Telekom und LG steigen bei KI-Arztassistent Tandem Health ein
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Weniger Papierkram, mehr Patient:innen, und jetzt auch mehr Konzernpower: Das Stockholmer Healthtech Tandem Health hat drei strategische Investoren an Bord geholt. Im Rahmen der laufenden Series B steigen T.Capital, der Investmentarm der Deutschen Telekom, LG Technology Ventures und der Impact-Fonds Norrsken VC ein, wie Tandem soeben bekanntgab. Wie viel Geld die drei investieren, verraten die Beteiligten nicht.
Warum Telekom, LG und Norrsken
Tandem hat sich die drei Geldgeber nach eigenen Angaben gezielt ausgesucht, weil alle bereits in den Gesundheitssystemen aktiv sind, in die das Startup will:
- Deutsche Telekom: Zum Konzern gehört T-Systems, dessen Krankenhausinformationssysteme laut Tandem in mehr als 250 Kliniken mit über 100.000 Nutzer:innen laufen. Deutschland gilt mit seinem zersplitterten Markt und strengem Datenschutz als einer der schwierigsten Märkte Europas für klinische KI.
- LG: Der koreanische Konzern beliefert Gesundheitseinrichtungen in ganz Europa mit Produkten und soll Tandem Türen zu neuen Kund:innen öffnen.
- Norrsken VC: Europas größter Impact-Fonds in der Frühphase legt für jedes Portfolio-Unternehmen eigene Impact-KPIs fest. Gesundheit ist einer seiner vier Kernbereiche.
„Künstliche Intelligenz wird eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Herausforderungen im Gesundheitswesen spielen“, sagt Karine Peters, Managing Director bei T.Capital. Für die Telekom ist der Deal Teil einer breiteren KI-Strategie: T.Capital verwaltet laut eigenen Angaben mehr als 2,3 Milliarden Euro und hat zuletzt unter anderem in Lovable, n8n, ElevenLabs und Black Forest Labs investiert.
Die Back Story: Von McKinsey zum KI-Arztassistenten
Gegründet wurde Tandem Health 2023 in Stockholm von drei Gründern mit Tech- und Beratungshintergrund:
- Lukas Saari (CEO): Leitete die Healthcare-Analytics-Sparte von McKinsey in den nordischen Ländern, arbeitete davor an Machine Learning bei Spotify und gründete eine Firma für algorithmischen Handel.
- Oscar Boldt-Christmas (CCO): War rund 20 Jahre bei McKinsey und dort Senior Partner im europäischen Gesundheitsbereich.
- Oliver Åstrand (CTO): Baute KI-Produkte bei Google X und Uber.
Die Idee dahinter: Ärzt:innen und Pfleger:innen verbringen laut Tandem rund 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Administration. Der KI-Assistent hört bei der Konsultation mit, erstellt daraus die Dokumentation, übernimmt die Codierung von Diagnosen und Leistungen und liefert Entscheidungshilfen. Drei Produkte sind als Medizinprodukte der Klasse IIa nach EU-Recht zertifiziert, und rund die Hälfte des Teams sind laut LG selbst Kliniker:innen.
Das Wachstum ist steil. Nach einer Series A über 50 Millionen Dollar im Vorjahr holte Tandem im September eine Series B über 100 Millionen Dollar, angeführt vom Scaleup Europe Fund der EU-Kommission, der vom schwedischen Investmentkonzern EQT gemanagt wird. Mit dabei waren auch Kinnevik und Northzone. Insgesamt hat Tandem damit rund 160 Millionen Dollar (etwa 143 Millionen Euro) eingesammelt. Heute nutzen laut Firma 10.000 Gesundheitseinrichtungen in 14 Ländern die Software, darunter der britische NHS, Ramsay Santé und Humanitas, und sie ist an mehr als 130 Krankenakten-Systeme angebunden. Anfang des Jahres kaufte Tandem außerdem den niederländischen KI-Schreibdienst Juvoly.
Das Ziel ist ambitioniert: Tandem will europäischen Kliniker:innen eine Milliarde Stunden Arbeitszeit zurückgeben und vom Dokumentationstool zu einem „AI-native Clinic Operating System“ werden, das auch Terminvergabe, Patient:innenfluss und Verwaltung abdeckt.
Die Konkurrenz
Der Markt für KI-Schreibassistenten in Arztpraxen und Spitälern ist heiß umkämpft. In Europa konkurriert Tandem etwa mit Nabla aus Paris und kleineren Anbietern wie Noteless aus Norwegen. Dazu kommen internationale Player wie Heidi Health aus Australien und Abridge aus den USA sowie Microsoft mit seinem Dragon-Copilot für Kliniken. Tandem setzt dagegen auf die Positionierung als europäischer Anbieter, der die strengen Datenschutz- und Medizinprodukte-Regeln von Anfang an erfüllt.

