KI-Chips im Orbit: Google fliegt bei SpaceX mit, auch als Shareholder
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Um seine KI-Chips ins All zu bringen, muss Google ausgerechnet bei seinem härtesten Konkurrenten im Weltraum-Rennen einsteigen. Der Konzern schickt im Rahmen seines „Project Suncatcher“ in Kürze einen ersten Satelliten mit eigenen KI-Chips in die Umlaufbahn, und zwar an Bord der Rideshare-Mission Transporter-18 von SpaceX. Also genau jenes Unternehmens, das selbst mit einer Million Satelliten die Rechenzentren im All erobern will, wie Google in einem Blogpost schreibt.
Was Google ins All schickt
An Bord des Prototyp-Satelliten, den Google gemeinsam mit dem Erdbeobachtungsunternehmen Planet gebaut hat, sind Googles hauseigene KI-Chips der Generation Trillium. Diese Tensor Processing Units (TPUs) treiben am Boden unter anderem die Gemini-Modelle an. Im All sollen sie nun beweisen, dass sie die extremen Bedingungen überstehen:
- Der Start: Rund zehn Minuten Vibration und Beschleunigung, einzelne Bauteile müssen das 50- bis 100-Fache der Erdanziehung aushalten.
- Die Strahlung: Sonnenstürme und kosmische Strahlung können Chips beschädigen. Bei Tests am Crocker Nuclear Laboratory der UC Davis überstanden die TPUs laut Google Strahlendosen, die über eine fünfjährige Mission hinausgehen.
- Die Hitze: Im Vakuum gibt es keine Luft zur Kühlung. Wärmerohre und Radiatoren müssen die Abwärme der Chips abführen.
Für 2027 plant Google den nächsten Schritt: Zwei Satelliten sollen testen, ob sich TPU-Cluster per Laser mit hoher Bandbreite verbinden lassen. Künftige Satelliten sollen „Dutzende TPU-Chips“ tragen und sich zu Konstellationen zusammenschließen, die große KI-Aufgaben gemeinsam rechnen.
Warum Rechenzentren ins All sollen
Der Grund ist der enorme Strombedarf der KI. Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn können laut Google bis zu achtmal mehr Solarstrom erzeugen als Anlagen auf der Erde, weil keine Wolken, keine Nacht und keine Atmosphäre im Weg sind. Am Boden stoßen KI-Rechenzentren dagegen zunehmend an Grenzen: Oracle hat soeben für sein Stargate-Rechenzentrum in New Mexico höhere Gewalt geltend gemacht, weil sich die Stromversorgung verzögert, und in mehreren Ländern protestieren Anwohner:innen gegen neue Rechenzentren.
Billig wird das Rechnen im All allerdings nicht so schnell. Damit Weltraum-Rechenzentren mit denen auf der Erde mithalten können, müssten die Startkosten laut The Next Web auf etwa 200 US-Dollar pro Kilogramm fallen.
Ohne SpaceX geht es nicht
Und genau hier liegt der Haken für Google: Wer günstig ins All will, kommt an SpaceX kaum vorbei. Die Falcon-9-Raketen von Elon Musk dominieren den Markt für Satellitenstarts, die Transporter-Missionen nehmen Dutzende Satelliten verschiedener Kund:innen auf einmal mit. Auch Google bucht sich hier ein.
Dabei ist SpaceX längst selbst Konkurrent. Anfang des Jahres hat Musks Raketenfirma xAI übernommen und bei der US-Regulierungsbehörde FCC Pläne für bis zu eine Million Satelliten eingereicht, die als Rechenzentren im Orbit dienen sollen. Laut dem Antrag könnte SpaceX mit dem wiederverwendbaren Starship jährlich Satelliten mit 100 Gigawatt KI-Rechenleistung ins All bringen, berichtet Data Center Dynamics. Musk spricht von der „ambitioniertesten, vertikal integrierten Innovationsmaschine auf der Erde und darüber hinaus“. Die orbitalen Rechenzentren sind zudem ein zentraler Teil der Wachstumsgeschichte, mit der SpaceX an die Börse gegangen ist.
Pikant: Google ist seit 2015 selbst an SpaceX beteiligt. Der Konzern verdient also mit, wenn Musks Firma wächst, und zahlt gleichzeitig dafür, dass sie seine Chips ins All bringt.
Das Rennen um den Orbit
Google und SpaceX sind nicht allein. Das von Nvidia unterstützte Startup Starcloud hat bereits Ende 2025 einen H100-Chip von Nvidia in die Umlaufbahn gebracht und dort sogar ein KI-Modell trainiert, berichtete CNBC. Auch Jeff Bezos und sein Raumfahrtunternehmen Blue Origin haben Ambitionen für Rechenleistung im All geäußert.
Prominente Kritiker gibt es allerdings auch. Allen voran OpenAI-Chef Sam Altman, Musks Dauerrivale: „Ich halte die Idee, in der aktuellen Lage Rechenzentren ins All zu bringen, ehrlich gesagt für lächerlich“, sagte er laut Tom’s Hardware. Schon eine grobe Rechnung aus Startkosten und Strompreisen auf der Erde spreche dagegen, „ganz zu schweigen davon, wie man eine kaputte GPU im All repariert, und die gehen leider noch oft kaputt“. Irgendwann werde es sinnvoll sein, in diesem Jahrzehnt aber noch nicht in großem Maßstab.
Ähnlich skeptisch ist AWS-Chef Matt Garman, dessen Mutterkonzern Amazon mit Project Kuiper selbst ein Satellitennetz aufbaut. „Ich weiß nicht, ob Sie in letzter Zeit ein Server-Rack gesehen haben: Die sind schwer“, sagte er laut Fortune. „Und soweit ich weiß, hat die Menschheit noch keine dauerhafte Struktur im All gebaut. Also … vielleicht.“ Googles erster Testflug soll nun zeigen, wer recht behält.

