Gropyus: Mitgründer Markus Fuhrmann tritt als CEO zurück, Harald Mahrer verlässt Aufsichtsrat
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Beim Wiener Bau-Scale-up Gropyus ist der seit Längerem vorbereitete Führungswechsel vollzogen. Bei der turnusmäßigen Hauptversammlung, die soeben stattgefunden hat, hat Mitgründer Markus Fuhrmann nach sieben Jahren als CEO beziehungsweise Co-CEO die operative Verantwortung abgegeben und wechselt als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat. Neuer alleiniger CEO ist Mitgründer Philipp Erler, der bereits vor 15 Monaten zum Co-CEO ernannt worden war. Gleichzeitig wird das Kontrollgremium neu aufgestellt: Harald Mahrer, früherer Präsident von Wirtschaftskammer und Nationalbank, scheidet aus dem Aufsichtsrat aus, ebenso Thomas Kretschmar.
Erler übernimmt, Fuhrmann bleibt im Hintergrund
Aufsichtsratsvorsitzender bleibt Daniel Riedl. Fuhrmann übernimmt dessen Stellvertretung, also genau jene Position, die zuvor Mahrer innehatte. Dem Gremium gehören weiterhin Philipp Grosse (CFO Vonovia), Emmanuel Thomassin (CFO Wise), Fredrik Nordh (CEO Thisbe), Ricardo Pires (Chairman Semapa Next und CEO Semapa Group) sowie Claudia Ungar-Huber (Vienna Insurance Group) an.
Begründet wird der Wechsel mit dem Eintritt in eine neue Unternehmensphase. Gropyus habe die Aufbauphase abgeschlossen und gehe nun in Richtung Skalierung und operative Exzellenz, heißt es aus dem Unternehmen. Der Führungswechsel schaffe dafür klare Verantwortlichkeiten.
Fuhrmann selbst, der zuvor den Essenslieferdienst Lieferheld (später Delivery Hero) mitgegründet hat, sagt dazu: „Ich bin stolz darauf, was wir bei Gropyus in den vergangenen sieben Jahren aufgebaut haben. Aus einer ambitionierten Idee ist eine industrielle und digitale Plattform für den Wohnungsbau entstanden, die sich bereits in realisierten Projekten bewährt. Mit der Ernennung von Philipp Erler zum Co-CEO haben wir im vergangenen Jahr den geplanten Übergang eingeleitet. Nun wechsle ich in den Aufsichtsrat und werde Gropyus weiterhin bei strategischen Fragen und der Wachstumsfinanzierung beratend begleiten. Philipp kennt das Unternehmen seit der Gründung und ist der Richtige, um Gropyus in die Zukunft zu führen.“
Der neue CEO Philipp Erler betont die gemeinsame Historie: „Ich danke Markus Fuhrmann herzlich für sein Vertrauen und für die gemeinsamen Jahre, in denen wir Gropyus von der Idee bis zu den ersten realisierten Gebäuden aufgebaut haben. Ohne seine Vision, seinen unternehmerischen Mut und seine Fähigkeit, Menschen für ein ambitioniertes Ziel zu gewinnen, wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen.“ Es sei für das Unternehmen „sehr wertvoll“, dass Fuhrmann als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender „mit seiner Erfahrung, seinem strategischen Blick und seinem außergewöhnlichen Netzwerk“ weiter eng eingebunden bleibe.
Aufsichtsratschef Daniel Riedl wiederum sieht in der neuen Konstellation ein „starkes Signal“: „Markus Fuhrmann hat Gropyus mit unternehmerischem Weitblick und großer Entschlossenheit von einer wegweisenden Idee zu einem technologisch führenden und wachstumsstarken Unternehmen entwickelt. Dafür gebührt ihm unser großer Dank und tiefer Respekt.“ Mit Erler übernehme „eine erfahrene Führungspersönlichkeit die operative Gesamtverantwortung“. Der neu aufgestellte Aufsichtsrat sei überzeugt, dass Erler mit seinem Vorstandsteam „die Skalierung und Innovationsführerschaft von Gropyus weiter vorantreiben wird“.
Abgang von Harald Mahrer
Zum Ausscheiden von Mahrer und Kretschmar aus dem Aufsichtsrat nennt das Unternehmen keine näheren Gründe, es bleibt bei Dankesworten. Erler dankt beiden „für ihre Begleitung und den immer konstruktiven Austausch während dieser wichtigen Phase der Unternehmensentwicklung“, Riedl für „die Expertise und wertvollen Perspektiven, mit denen sie unser Gremium bereichert haben“.
Mahrer, der bei Gropyus auch als Investor engagiert war, hatte im Vorjahr seine Ämter als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich und der Oesterreichischen Nationalbank zurückgelegt. Rund um Gropyus läuft außerdem seit geraumer Zeit ein juristisches Nachspiel mit dem früheren Investor und Aufsichtsrat Florian Fritsch, gegen den das Unternehmen selbst Anzeige erstattet hat und dessen Fritsch AG mittlerweile insolvent ist. Auch der Rechtsstreit um Gropyus-Anteile ist noch nicht vollends ausgeräumt.
Zuletzt wurde in der Causa Gropyus vs Fritsch bekannt, dass Mahrer Privatjet-Reisen mit Ex-Aufsichtsratschef Fritsch unternommen hatte, die dem Unternehmen angerechnet wurden – obwohl sie eher privater Natur gewesen sein sollen. Aus Sicht des Scale-ups soll Fritsch in massivem Ausmaß Spesen unrechtmäßig abgerechnet haben, und sein Freund Mahrer als Vize-Aufsichtsrat, hätte das nicht hinterfragt. Nun geht Mahrer.
100 Millionen Euro frisches Kapital im Frühjahr
Kapitalseitig ist Gropyus zuletzt gut aufgestellt worden. Im März dieses Jahres hat das Unternehmen eine weitere Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wurde sie von Semapa Next, das mit rund 35 Millionen Euro zum zweitgrößten Investor aufgestiegen ist. Auch der deutsche Wohnungsriese Vonovia und die schwedische FAM AB haben ihre Beteiligungen aufgestockt, neu an Bord kam das State of Michigan Retirement System. Insgesamt summiert sich das eingesammelte Eigenkapital damit auf etwa 400 Millionen Euro. Zuvor hatte sich das Unternehmen unter anderem 40 Millionen Euro Venture Debt bei der Europäischen Investitionsbank geholt.
Gropyus fertigt schlüsselfertige Mehrfamilienhäuser in Holzbauweise, digital geplant, industriell vorgefertigt und auf der Baustelle rasch montiert. Derzeit befinden sich laut Unternehmen rund 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche in unterschiedlichen Umsetzungsphasen. An den Standorten Wien, Berlin, Richen und Steinhaus arbeiten etwa 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gegründet wurde das Unternehmen unter anderem von Markus Fuhrmann, Philipp Erler und Bernd Oswald.
