Pre-IPO für alle

Revolut Ventures will Kleinanleger:innen in Pre-IPO-Startups investieren lassen

Rolandas Juteika of Revolut. © Revolut
Rolandas Juteika of Revolut. © Revolut

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Wer bei Unicorns erst einsteigen darf, wenn die Profis längst verdient haben, soll bei Revolut ab 2027 schon vor der Börsenglocke mitspielen: Die Neobank hat kürzlich die Tochter Revolut Ventures gegründet, über die ausgewählte Kund:innen in der App in nicht börsennotierte Tech-Firmen investieren sollen. Robinhood, SoFi und Kraken sind bereits unterwegs, mit gemischten Ergebnissen.

Was Revolut angekündigt hat

Rolandas Juteika, bei Revolut für Wealth und Trading im EWR zuständig, schrieb auf LinkedIn, dass Revolut Ventures nun offiziell gegründet sei und 2027 starten werde. Die Plattform entsteht in Partnerschaft mit der Carne Group, einem der größten unabhängigen Fondsverwalter Europas. Die Carne Group übernimmt für Fondsgesellschaften die Funktion der Verwaltungsgesellschaft und hilft beim Aufsetzen von Fonds. Sie verwaltet nach eigenen Angaben weltweit mehr als 1 Bio. Dollar (rund 0,9 Bio. Euro) und ist laut Monterey Insight die größte externe Verwaltungsgesellschaft Irlands, in Luxemburg liegt sie laut PwC ebenfalls vorn. Berechtigte Nutzer:innen sollen damit „Positionen in privaten Unternehmen neben ihrem bestehenden Portfolio aufbauen“ können, und zwar in der Revolut-App neben Aktien, ETFs, Anleihen und Geldmarktfonds. Revolut spricht von „institutionellen Venture-Capital-Chancen“ für berechtigte Privatanleger:innen, die bisher „großen Institutionen und den Ultrareichen“ vorbehalten gewesen seien.

Juteika begründet das so: „Mit Revolut Ventures wollen wir eine der letzten Barrieren in der Vermögensverwaltung abbauen: die Ausgrenzung von Privatanleger:innen bei nicht börsennotierten Unternehmen.“ Und weiter: „Wertschöpfung beginnt lange vor einem Börsengang. Indem wir unsere eigene Plattform betreiben, geben wir Alltagsanleger:innen die Chance, schon heute über die Revolut-App auf die Marktführer von morgen zuzugreifen.“

Die Daten dazu stammen von PitchBook und der US-Notenbank Fed: Das mittlere Alter beim Börsengang stieg von 6,9 Jahren (2014) auf 11 Jahre (2025), und die Zahl börsennotierter US-Anlagemöglichkeiten fiel auf rund 3.900. Der Wertzuwachs durch technologische Innovation entstehe zunehmend, solange Firmen privat sind, und komme damit vor allem großen Institutionen zugute.

Neu ist das Thema für Revolut nicht ganz: Laut Euronews hat die Neobank bereits im Sommer Anlageprodukte für Privatmärkte in ausgewählten Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums eingeführt. Revolut Ventures ist der nächste Schritt mit eigener Plattform.

Offen sind die Details: In welchen Ländern das Angebot startet, wer als „berechtigt“ gilt, welche Firmen zur Auswahl stehen und was es kostet, hat Revolut nicht gesagt.

Was das Revolut bringen soll

Das ist unsere Einschätzung, Revolut selbst nennt dazu keine Zahlen. Die Neobank baut ihr Geschäft gerade aus: Sie hat sich zuletzt Vollbanklizenzen in Großbritannien und Frankreich gesichert, will ihre Erlösquellen breiter aufstellen und prüft laut Euronews eine Doppelnotierung in London und New York, einen Termin gibt es noch nicht. In diesem Umfeld sind Investment-Produkte ein Hebel: Sie binden Geld und Aufmerksamkeit in der App, liefern Gebühreneinnahmen und besetzen ein Thema, das für Privatanleger:innen besonders knapp ist. Wer heute in Anthropic, OpenAI oder SpaceX investieren will, kommt als Privatperson kaum an Anteile heran. Ein Produkt, das diese Lücke füllt, ist ein starkes Argument für das Depot bei Revolut statt bei der Hausbank.

Die Pointe: Revolut selbst gehört zu den Firmen, in die Robinhood mit seinem Fonds investiert. Die Neobank steckt also bereits im Portfolio der Konkurrenz, bevor sie ihre eigene Pre-IPO-Plattform eröffnet.

Robinhood zeigt, wie es laufen kann

Robinhood ist am weitesten. Sein Robinhood Ventures Fund I (RVI) ist ein geschlossener Fonds, der an der New Yorker Börse gehandelt wird, laut Robinhood ohne Mindestanlage und ohne Zulassungshürde für Anleger:innen. Er hält Anteile an Databricks, Stripe, Ramp, Mercor, Oura, Airwallex und eben Revolut. Die Verwaltungsgebühr beträgt 2 Prozent im Jahr, im ersten halben Jahr nur 1 Prozent.

Beim Start im Frühjahr sammelte der Fonds laut Berichten mehr als 658 Mio. Dollar (rund 590 Mio. Euro) ein, überwiegend von Privatanleger:innen, und eröffnete mit 22 Dollar (rund 20 Euro) unter dem Ausgabepreis von 25 Dollar. Danach schoss der Kurs laut Brokerchooser binnen weniger Wochen auf mehr als 57 Dollar (rund 51 Euro), fast das Doppelte des Nettoinventarwerts, und fiel bis zum Hochsommer wieder auf etwa 25 Dollar zurück, nachdem einzelne Beteiligungen an die Börse gegangen waren. Der zweite Fonds, Robinhood Ventures Fund II mit rund 80 Firmen aus dem Y-Combinator-Umfeld, debütierte im Sommer ebenfalls rund 10 Prozent unter dem Ausgabepreis und kostet mit 2 Prozent plus 20 Prozent Gewinnbeteiligung laut Bericht rund 4,2 Prozent im Jahr.

In Europa ging Robinhood mit Token auf OpenAI und SpaceX einen anderen Weg. OpenAI reagierte mit einem Posting: Diese Token seien kein OpenAI-Eigenkapital, man habe sich nicht beteiligt, und jede Übertragung von Anteilen brauche die Zustimmung des Unternehmens.

Wer sonst noch dabei ist

SoFi bietet laut The Block Zugang zu privaten Fonds von Cashmere, Fundrise und Liberty Street Advisors, mit Mindestbeträgen ab 10 Dollar. Die Fonds bilden Beteiligungen an OpenAI, SpaceX oder Epic Games ab. Die Krypto-Börse Kraken plant über ihre xStocks-Allianz Zugang zu IPO-Zuteilungen zum Ausgabepreis, abgebildet als Token. Und in Wien notiert seit Kurzem das erste europäische Pre-IPO-Produkt auf Anthropic, das 21shares Anthropic Synthetic ETP am Vienna MTF.

Was gegen den Pre-IPO-Hype spricht

Die Robinhood-Zahlen zeigen die Risiken solcher Angebote: Der erste Fonds notierte zeitweise fast doppelt so hoch wie sein Inventarwert und danach wieder auf Ausgabeniveau, der zweite startete im Minus, und die Gebühren liegen je nach Fonds zwischen 2 und gut 4 Prozent im Jahr. Robinhood warnt selbst vor begrenzten Informationen, unsicheren Bewertungen, fehlender Liquidität der Beteiligungen und davor, dass Anteile mit Abschlag oder Aufschlag zum Inventarwert gehandelt werden können. Hinzu kommt, dass Token nicht immer echte Anteile bedeuten, wie der Fall OpenAI zeigt. Auch Euronews weist bei der Ankündigung von Revolut darauf hin, dass sich nicht börsennotierte Beteiligungen schwerer verkaufen lassen und Anleger:innen einen großen Teil oder sogar ihr gesamtes Kapital verlieren können.

Revolut argumentiert dagegen mit dem späten Börsengang: Wenn Firmen im Schnitt erst nach 11 Jahren an die Börse gehen und ein großer Teil des Wertzuwachses davor entsteht, bleiben Privatanleger:innen ohne solche Produkte außen vor. Wie Revolut Ventures konkret aufgebaut sein wird, ob als Fonds wie bei Robinhood oder mit Direktzugang, hat das Unternehmen noch nicht verraten.

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