Niederlande streichen 25.000 Beamtenjobs und setzen auf KI
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Schlanker Staat mit Ansage: Die niederländische Regierung will die Zentralverwaltung in den kommenden Jahren um schätzungsweise 25.000 Vollzeitstellen verkleinern. Das hat Staatssekretär Eric van der Burg am Montag in einem Brief an das Parlament angekündigt, wie die Regierung auf rijksoverheid.nl mitteilt. Die Verwaltung soll „eenvoudiger, slimmer en kleiner“ werden, also einfacher, klüger und kleiner. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle.
Die Eckpunkte des Sparplans
- Stellenabbau: Rund 25.000 Vollzeitstellen sollen über mehrere Jahre wegfallen. Bei zuletzt rund 170.000 Beamt:innen in der Zentralverwaltung ist das etwa jede siebte Stelle.
- Einsparungen: 2027 muss die Verwaltung 900 Millionen Euro einsparen, ab 2035 sollen es 3,5 Milliarden Euro pro Jahr sein.
- Ausnahmen: Polizei und Verteidigung sind von den Kürzungen ausgenommen.
- KI: Im ersten Quartal 2027 will die Regierung konkrete Ziele und Sparpläne für den Einsatz von KI vorlegen, um produktiver zu arbeiten.
- Büros: Künftig soll es nur noch einen Arbeitsplatz für jeweils zwei Mitarbeiter:innen geben, überzählige Gebäude werden verkauft.
- Gremien: Die Zahl der 28 ständigen Beratungsgremien und rund 150 Beratungskommissionen wird deutlich reduziert, ebenso die rund 400 Politikevaluierungen pro Jahr.
„Wir können nicht so weitermachen wie bisher“, sagt van der Burg. Mit zu vielen Regeln, Ausnahmen und Verfahren mache sich die Verwaltung das Leben unnötig schwer.
Weniger Regeln, ein Schalter für alle
Neben dem Stellenabbau setzt die Regierung auf Entbürokratisierung. Pro Jahr sollen mindestens 500 Regeln gestrichen oder vereinfacht werden. Geprüft wird außerdem eine Beweislastumkehr nach deutschem Vorbild: Jedes Ministerium müsste dann nachweisen, dass eine Regel noch nötig ist, sonst fällt sie weg. Bürger:innen und Unternehmen sollen die Verwaltung künftig als eine Anlaufstelle erleben, Behörden wie Finanzamt und Handelskammer sollen dafür Daten leichter untereinander austauschen dürfen. Einen gesetzlichen Rahmen dafür will die Regierung binnen zwei Jahren ausarbeiten.
Wie genau die Kürzungen verteilt werden, soll im Frühjahrsbudget festgelegt werden. Innerhalb eines halben Jahres soll außerdem eine Kommission zur Zukunft der Verwaltung ihre Vorschläge vorlegen.
Wer hinter dem Sparkurs steht
Der Plan kommt aus der politischen Mitte. Seit Februar regiert in Den Haag das Kabinett von Premier Rob Jetten, mit 38 Jahren der jüngste Regierungschef in der Geschichte des Landes. Seine sozialliberale Partei D66 hatte die Parlamentswahl im Oktober 2025 knapp vor der rechtspopulistischen PVV von Geert Wilders gewonnen. Jetten regiert gemeinsam mit der rechtsliberalen VVD und den Christdemokraten des CDA. Staatssekretär van der Burg, der den Verwaltungsumbau verantwortet, gehört der VVD an.
Die Koalition hat allerdings keine eigene Mehrheit: D66, VVD und CDA kommen zusammen nur auf 66 der 150 Sitze im Parlament, wie die Hanns-Seidel-Stiftung analysiert. Für jedes Vorhaben braucht die Minderheitsregierung Stimmen aus der Opposition. Ihr Programm setzt auf mehr Geld für Verteidigung, Bildung und Landwirtschaft, finanziert unter anderem durch Milliardeneinsparungen bei Gesundheit und Sozialversicherung. Das Defizit soll bis 2030 unter 2 Prozent bleiben. Gegen die Kürzungen im Sozialbereich läuft vor allem das rot-grüne Oppositionsbündnis GroenLinks-PvdA Sturm.
KI als Sparhebel und die Zweifel daran
Die Niederlande sind nicht allein. Auch Unternehmen setzen zunehmend auf KI, um Personal einzusparen, zuletzt hat etwa Microsoft rund 60.000 Mitarbeiter:innen Abfindungen angeboten. Die Deutsche Telekom will mit KI bis 2030 rund 2,5 Milliarden Euro einsparen.
Ob die Rechnung im Staatsdienst aufgeht, ist allerdings offen. Noch ist unklar, welche Aufgaben KI konkret übernehmen soll, die Pläne dazu kommen erst 2027. Eine Beratungskommission der Regierung hat zudem gewarnt, dass KI nur dann hilft, wenn gleichzeitig der Wildwuchs an Regeln und Kontrollen eingedämmt wird, wie das niederländische Portal DutchNews berichtet. Zuletzt ging der Trend zudem in die Gegenrichtung: Die Zahl der Beamt:innen in der Zentralverwaltung ist von 140.000 im Jahr 2021 auf rund 170.000 gestiegen.

