Novig: Sportwetten-Börse vervierfacht Bewertung auf 2 Milliarden Dollar
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Wetten heißt jetzt Traden, und Investor:innen zahlen dafür Milliarden. Das New Yorker Startup Novig, das eine Art Börse für Sportwetten betreibt, will seine Bewertung binnen weniger Monate vervierfachen. In einer neuen Finanzierungsrunde soll das Unternehmen mit rund 2 Milliarden Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) bewertet werden, wie Front Office Sports berichtet. Erst im Februar hatte Novig 75 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 500 Millionen Dollar eingesammelt. Die neue Runde soll bis zum Winter abgeschlossen sein.
Wetten gegeneinander statt gegen den Buchmacher
Novig wurde 2021 von Jacob Fortinsky und Kechi Uk gegründet und setzt auf sogenannte Prediction Markets. Anders als bei klassischen Wettanbietern setzen die Nutzer:innen nicht gegen ein Haus, das die Quoten festlegt und an jeder Wette mitverdient. Stattdessen handeln sie untereinander mit Kontrakten auf den Ausgang von Sportereignissen, ähnlich wie an einer Börse. Novig verdient an Gebühren statt an einer Wettmarge. Laut eigenen Angaben wurden über die Plattform bereits mehr als 5 Milliarden Dollar gehandelt.
Der Wachstumsschub kam im Sommer: Im Juni erhielt Novig von der US-Aufsichtsbehörde CFTC die Zulassung als regulierte Börse für solche Kontrakte, laut dem Unternehmen eine der schnellsten Genehmigungen in der Geschichte der Behörde. Damit darf Novig in allen 50 US-Bundesstaaten Nutzer:innen ab 21 Jahren bedienen, ohne einzelne Glücksspiellizenzen der Bundesstaaten zu brauchen. Zu den Investor:innen zählen der Krypto-Fonds Pantera Capital, Forerunner Ventures und die Football-Legende Joe Montana. Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt auch ein Werbespot mit Schauspielerin Sydney Sweeney.
Kalshi und Polymarket spielen in einer anderen Liga
Trotz der Vervierfachung ist Novig noch ein kleiner Player. Marktführer Kalshi wird mit rund 40 Milliarden Dollar bewertet, Polymarket mit rund 21 Milliarden Dollar. Beide haben zuletzt vor allem mit Sport Milliarden umgesetzt: Allein auf das Finale der Fußball-WM lagen bei den beiden Plattformen mehr als 5,7 Milliarden Dollar. Wie viel Geld in dem Markt steckt, zeigt auch das Marketing. Polymarket zahlt Basketball-Star LeBron James laut Front Office Sports 15 Millionen Dollar im Jahr als Werbegesicht, mehr als das Dreifache seines aktuellen NBA-Gehalts.
Behörden sehen illegales Glücksspiel
Der Boom ruft allerdings auch die Behörden auf den Plan. Der Bundesstaat New York hat Polymarket kürzlich auf mindestens 4,6 Milliarden Dollar verklagt, von Kalshi fordert er sogar 36 Milliarden Dollar. Der Vorwurf: Die Plattformen betrieben unter dem Deckmantel der Bundesaufsicht unlizenziertes Glücksspiel. Polymarket hält dagegen und hat seinerseits Klage eingereicht. Auch in Europa wächst der Widerstand: Spanien hat Kalshi und Polymarket vorläufig gesperrt, und die EU-Finanzaufsicht ESMA warnt, dass solche Wettkontrakte unter das Verbot binärer Optionen fallen könnten. Für Novig, das sich ganz auf den US-Sportmarkt konzentriert, wird damit die Frage entscheidend, ob die Bundeszulassung auf Dauer vor den Klagen der Bundesstaaten schützt.

