Nubank will Monzo: Brasiliens Neobank-Riese greift nach Europa
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Die größte Neobank Lateinamerikas hat genug vom Heimatmarkt und will jetzt Europa erobern. Nubank verhandelt laut Sky News über eine Übernahme der britischen Digitalbank Monzo, die dabei mit 8 bis 10 Milliarden Pfund (rund 9 bis 11,5 Milliarden Euro) bewertet werden könnte, berichtet City AM. Die Gespräche befinden sich demnach noch in einem frühen Stadium. „Nubank kommentiert keine Gerüchte oder Spekulationen“, heißt es vom brasilianischen Unternehmen.
Mehr als doppelt so viel wert wie vor zwei Jahren
Für Monzo wäre der Deal ein gewaltiger Sprung. Zuletzt wurde die Londoner Neobank im Oktober 2024 bei einem Anteilsverkauf von Mitarbeiter:innen mit 4,5 Milliarden Pfund bewertet, ein Verkauf an Nubank würde den Wert also mehr als verdoppeln. Beraten wird Monzo laut City AM von Morgan Stanley und Qatalyst Partners.
Die Zahlen der Briten können sich sehen lassen, wie UKTN berichtet:
- Umsatz: Im Geschäftsjahr bis März stieg er um 39 Prozent auf 1,7 Milliarden Pfund (rund 1,95 Milliarden Euro).
- Gewinn: Der Vorsteuergewinn legte um 20 Prozent auf 172,6 Millionen Pfund (rund 200 Millionen Euro) zu.
- Kund:innen: Monzo zählt rund 15 Millionen Privat- und Geschäftskund:innen, davon 10,4 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen.
- Einlagen: Auf den Konten liegen rund 25,7 Milliarden Pfund (knapp 30 Milliarden Euro).
Ein Verkauf würde allerdings die lang gehegten Börsenpläne beerdigen. Noch im Mai 2025 hieß es, Monzo bereite einen Börsengang in London bei einer Bewertung von rund 6 Milliarden Pfund vor. Über den richtigen Zeitpunkt dafür gab es intern heftigen Streit: Der langjährige CEO TS Anil musste im Oktober 2025 gehen, kehrte nach Druck von Aktionär:innen aber als Vize-Chef des Verwaltungsrats zurück. Seither führt Diana Layfield die Bank, Chairman Gary Hoffman hat erst kürzlich seinen Rückzug angekündigt.
Warum Nubank Monzo will
Nubank selbst spielt in einer anderen Liga. Die Neobank von Gründer David Vélez, die 2021 an die New Yorker Börse ging, wird inzwischen mit rund 65 Milliarden US-Dollar (rund 56 Milliarden Euro) bewertet. Im zweiten Quartal knackte sie laut ihren Quartalszahlen erstmals die Marke von einer Milliarde US-Dollar Nettogewinn. Das Wachstum im Überblick:
- Brasilien: Rund 118 Millionen Kund:innen, weit mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung.
- Mexiko: Rund 16 Millionen Kund:innen.
- Kolumbien: Mehr als 5 Millionen Kund:innen.
- Insgesamt: Knapp 139 Millionen Kund:innen, ein Plus von 13 Prozent im Jahresvergleich.
In Lateinamerika stößt Nubank damit langsam an Grenzen, der nächste Wachstumsschub muss von außen kommen. Genau daran arbeitet Vélez gerade: Erst vor wenigen Wochen startete Nubank in den USA, mit einem Konto mit 3,5 Prozent Zinsen, einer Kreditkarte mit Cashback und kostenlosen Überweisungen nach Lateinamerika. Die Lizenz für eine US-Bank hat Nubank bereits bedingt erhalten. Parallel führte das Unternehmen mit Nu Global ein Konto für Menschen ein, die zwischen Ländern pendeln, mit Guthaben in den Stablecoins USDC und EURC.
In Europa ist Nubank dagegen kaum präsent, abgesehen von einem Entwicklungsstandort in Berlin. Monzo würde das auf einen Schlag ändern. Nubank bekäme eine britische Banklizenz, eine profitable Kundenbasis und ein bekanntes Markenprodukt, statt Jahre in einen eigenen Aufbau zu stecken.
Der Weg nach Europa
Dazu kommt, dass Monzo selbst gerade nach Europa will. Das britische Brexit-Erbe macht das allerdings kompliziert: Eine britische Banklizenz gilt in der EU nicht, für den Kontinent braucht es eine eigene Lizenz in einem EU-Land. Nubank könnte hier mit seinem Kapital nachhelfen und die Expansion beschleunigen. Laut Startup Fortune prüft Monzo als Alternative zum Verkauf auch eine eigene Finanzierungsrunde bei ähnlicher Bewertung, um die Expansion auf dem Kontinent aus eigener Kraft zu stemmen.
Bevor es so weit ist, müssen noch einige Hürden fallen. Die britischen Aufsichtsbehörden PRA und FCA müssten zustimmen, dazu kommen Behörden in Brasilien und den USA. Auch die Monzo-Aktionär:innen hätten ein Wort mitzureden, darunter Risikokapitalgeber und Tausende Kleinanleger:innen, die über Crowdfunding-Kampagnen eingestiegen sind.
Kampfansage an Revolut
Gelingt der Deal, entsteht ein neuer Gegner für Revolut. Die britische Neobank ist mit mehr als 75 Millionen Kund:innen der unangefochtene Platzhirsch in Europa und drängt selbst mit aller Kraft in neue Märkte, etwa mit einer US-Banklizenz und einer Schweizer Banklizenz. Auch die Berliner N26 und die niederländische bunq kämpfen um Kund:innen in Europa.
Mit Monzo im Rücken könnte Nubank zum ersten Neobank-Konzern werden, der in Lateinamerika, den USA und Europa gleichzeitig eine Rolle spielt. Für Europas Fintech-Szene wäre das allerdings auch ein Signal: Eine der erfolgreichsten europäischen Neobanken würde in brasilianische Hände wandern, statt in London an die Börse zu gehen.

