OpenAI: Nach der IPO-Absage soll eine Runde bei 1,2 Billionen Dollar kommen
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OpenAI wird heuer nicht an die Börse gehen. CEO Sam Altman hat den lang erwarteten Schritt kürzlich auf frühestens 2027 verschoben und das mit dem Stand der KI-Sicherheitsdebatte begründet: Ein Listing wäre „an einem wenig ratsamen Zeitpunkt“ gekommen, es gebe noch „viel zu tun, um diesem Moment gerecht zu werden“. Damit fällt jene Kapitalquelle vorerst weg, mit der das Unternehmen den Ausbau seiner Rechenzentren mitfinanzieren wollte.
Die Lücke soll privates Kapital schließen. Laut einem Bericht der Financial Times führt OpenAI Vorgespräche über eine neue Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von mehr als 1,2 Billionen Dollar (rund 1,05 Billionen Euro). Fix ist davon bisher nichts, weder Volumen noch Investor:innen sind bekannt.
Der Sprung gegenüber der letzten Runde
Zum Vergleich: Im vergangenen März hatte OpenAI eine Rekordrunde über 122 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar abgeschlossen, damals auch mit einem Zugang für Kleinanleger:innen. Die nun kolportierten 1,2 Billionen Dollar bedeuten ein Plus von etwa 41 Prozent innerhalb eines halben Jahres.
Warum so rasch wieder Geld nötig ist, zeigt eine interne Präsentation, aus der die Financial Times zitiert: OpenAI rechnet zwischen 2026 und Ende 2030 mit einem kumulierten negativen Free Cashflow von 278 Milliarden Dollar. Der Umsatz soll im selben Zeitraum von rund 36 Milliarden Dollar heuer auf etwa 350 Milliarden Dollar 2030 steigen, die Ausgaben für Rechenkapazität laufen den Erlösen dabei aber deutlich voraus.
Wie teuer dieses Wachstum für die Geldgeber:innen ist, lässt sich am größten Einzelinvestor ablesen. Softbank begibt für den Kauf weiterer OpenAI-Anteile Dollar- und Euro-Anleihen über insgesamt 11,15 Milliarden Dollar (9,73 Mrd. Euro) mit Laufzeiten zwischen dreieinhalb und siebeneinhalb Jahren, wie Reuters unter Berufung auf das Termsheet berichtet. Damit wird die dritte Tranche von zehn Milliarden Dollar finanziert, die einen Überbrückungskredit ersetzt. Insgesamt will sich der japanische Investor mit bis zu 30 Milliarden Dollar beteiligen. Fitch bewertet die neuen Papiere mit „BB+“, also im spekulativen Bereich.
Anthropic und Google setzen die Messlatte
An der Spitze des Marktes ist der Abstand zuletzt enger geworden. Anthropic hat in einer Series H 65 Milliarden Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 965 Milliarden Dollar aufgenommen und liegt damit über der bisherigen OpenAI-Bewertung. Im Februar waren es noch 380 Milliarden Dollar gewesen. Das Unternehmen weist einen annualisierten Umsatz von mehr als 47 Milliarden Dollar aus, stellt rund 130 Prozent Wachstum in Aussicht und rechnet mit dem ersten operativen Gewinn. Ein Börsengang wird noch für heuer erwartet.
Google wiederum greift OpenAI dort an, wo dessen Bewertung herkommt: bei den Endnutzer:innen. Gemini und ChatGPT stehen mittlerweile bei jeweils rund einer Milliarde Nutzer:innen und sind damit ungefähr gleichgezogen. Google kann seine Modelle über Suche, Android und Workspace ausspielen und betreibt mit den eigenen TPUs die Infrastruktur, für die OpenAI Milliarden am Kapitalmarkt aufnehmen muss.
Zwei Angreifer aus der zweiten Reihe
Zur Aufgabe, an der Spitze mitzuhalten, kommt eine zweite: zwei finanzstarke Herausforderer auf Distanz zu halten, die von unterschiedlichen Seiten kommen.
Der eine ist Elon Musks Konzern. Nach der Fusion von xAI mit SpaceX und dem Kauf von Anysphere (Cursor) um 60 Milliarden Dollar in Aktien hat SpaceXAI im August Grok Bot gestartet, einen Dienst mit dauerhaft laufenden, benannten Agenten auf einem Cloud-Rechner. Die Bots melden sich in den Tools der Nutzer:innen an, arbeiten weiter, wenn der Laptop zugeklappt ist, und kommen nur zurück, wenn eine menschliche Entscheidung nötig ist. Verteilt wird das Produkt als Add-on über die Abos von SuperGrok Heavy und Cursor, also über eine bereits zahlende Entwickler:innen-Basis.
Der andere ist Meta. Der Konzern hat Muse vorgestellt, einen Konsumenten-Agenten, der E-Mails verschickt, Reisen bucht, Formulare ausfüllt und über eine Stripe-Link-Anbindung auch einkauft. Muse läuft im Web, auf iOS und Android sowie in WhatsApp, eine Integration in die KI-Brillen ist angekündigt. Neben einer Gratisstufe gibt es Abos um 20 und 100 Dollar im Monat (etwa 17 bzw. 87 Euro), wobei Meta selbst davon ausgeht, dass die meisten Nutzer:innen gratis bleiben. Nach Unterlagen, die The Information zitiert, soll ein Agent zudem direkt in Instagram laufen und damit ohne Installation über zwei Milliarden täglich aktive Nutzer:innen erreichen.
Die eigentliche Rechnung
Für OpenAI verschiebt sich damit die Ausgangslage gleich doppelt. Bei den Modellen selbst konkurriert das Unternehmen mit zwei Häusern, die entweder höher bewertet sind oder die Rechenzentren bereits besitzen. Im Massenmarkt treten Anbieter an, die ihre Agenten über bestehende Abos und Apps verteilen, statt Nutzer:innen einzeln gewinnen zu müssen.
Ein Börsengang hätte OpenAI frisches Kapital und eine handelbare Aktie als Akquisitionswährung gebracht. Beides muss nun aus dem privaten Markt kommen, und zwar zu einer Bewertung, die ein Vielfaches des Umsatzes von 2030 vorwegnimmt. Ob Investor:innen bereit sind, diesen Preis zu zahlen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.

