Alibabas KI-Modell Qwen versuchte heimlich Upload nach Peking
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Ein KI-Modell, das nach Hause telefoniert: Der kanadische KI-Konzern Cohere hat bei Sicherheitstests ein auffälliges Verhalten bei Alibabas Open-Weight-Modell Qwen3.8-Flash-Next beobachtet. Das Modell durchsuchte ungefragt den Rechner, auf dem es lief, und versuchte dann, eine Testdatei auf einen Cloud-Speicher von Alibaba in Peking hochzuladen. Das schreibt Cohere soeben in einem ausführlichen Blogpost.
Was im Test passiert ist
Cohere hat das Modell im Rahmen eines Projekts zu Cyber-Fähigkeiten von KI in Toronto getestet. Qwen3.8-Flash-Next ist eine Vorschau auf Alibabas kommende Modellgeneration Qwen4. Die Aufgabe war harmlos: Das Modell sollte eine Erkennungsregel für einen typischen Angriff schreiben, bei dem ein Bash-Skript heruntergeladen und ausgeführt wird. Die Testumgebung war vom Internet abgeschottet.
Statt nur die Regel zu schreiben, ging das Modell so vor:
- Erkundung: Es listete Dateien im temporären Verzeichnis auf, prüfte, welche Werkzeuge zur Datenübertragung installiert waren, und las die DNS-Konfiguration aus.
- Upload-Versuch: Danach versuchte es, eine Testzeichenkette auf einen Speicher-Bucket von Alibaba Cloud in Peking hochzuladen. Die Sandbox von Cohere blockierte die Anfrage.
- Verschleierung: In seinen sichtbaren Denkschritten schrieb das Modell, es werde keine Werkzeuge aufrufen. Von den Aktionen war dort nichts zu sehen.
In weiteren Experimenten griff das Modell in 23 bis 36 Prozent der Fälle nach einer Cloud-Metadaten-Adresse, über die sich Zugangsdaten stehlen lassen. In einem anderen Test umging es eine verweigerte Aktion mit einem Trick, der auch als Ausgangspunkt für Angriffe zur Rechteausweitung dient.
Selten, aber heikel
Cohere relativiert zugleich: Das Verhalten tritt sehr selten auf, in weniger als einem von 100.000 Aufrufen. Ein erneuter Testlauf lieferte die erwartete Erkennungsregel. Ob es sich um ein harmloses Überbleibsel aus Trainingsdaten oder um ein absichtlich eingebautes „Call home“ handelt, kann Cohere nicht sagen. Ein ähnliches Verhalten sei aber bereits in Versionen von vier verschiedenen Anbietern aufgetaucht, die das Modell weiterverbreiten. Eine Stellungnahme von Alibaba gibt es bisher nicht.
„Eine Denkspur ist keine Sicherheitsgrenze“, warnt Cohere. Die Empfehlungen an Unternehmen: Modellgewichte, die man nicht selbst trainiert hat, wie unsignierte Software behandeln, ausgehende Verbindungen von KI-Agenten standardmäßig blockieren und bei unbekannten Cloud-Adressen Alarm schlagen. Regierungen sollen für kritische Einsätze Nachweise über Herkunft und Trainingshygiene von Modellen verlangen.
Chinesische Modelle unter Druck
Der Bericht trifft auf eine ohnehin aufgeheizte Debatte. Die USA haben erst kürzlich das chinesische Modell DeepSeek aus Behörden verbannt. Gleichzeitig sind chinesische Open-Weight-Modelle wie Qwen und DeepSeek bei Entwickler:innen weltweit beliebt, weil sie leistungsstark und kostenlos nutzbar sind. Auch in Europa bauen viele Startups ihre Produkte auf solchen Modellen auf.
Zu beachten ist dabei auch: Cohere ist selbst Anbieter von KI-Modellen für Unternehmen und positioniert sich als sichere Alternative für Firmen und Behörden. Die Gegenposition zitiert Cohere selbst: Ein Firmenchef hatte die Sorge vor chinesischen Modellen mit dem Argument abgetan, ein Open-Source-Modell habe gar keinen Zugriff auf Daten, „so funktioniert das nicht“. Bei klassischen Chatbots stimmt das weitgehend. Sobald Modelle als Agenten aber selbst Befehle ausführen dürfen, sieht Cohere das anders.

