Industrie

Auto-Zulieferer Schaeffler streicht 3.460 Jobs, während er massiv in Roboter investiert

A humanoid robot handling a component at a Schaeffler assembly line
A humanoid robot at an assembly line. © Schaeffler

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Weniger Teile für Verbrenner, mehr Gelenke für Roboter: Der fränkische Autozulieferer Schaeffler baut in Europa netto 3.460 Stellen ab, davon rund 2.660 in Deutschland. Vier deutsche Standorte und ein Werk in Belgien sollen perspektivisch geschlossen werden. Gleichzeitig setzt der Konzern auf neue Geschäftsfelder, allen voran humanoide Roboter und Verteidigung.

Begründet wird das neue Sparprogramm mit der Lage im Autogeschäft: Die Nachfrage nach Teilen für Verbrennerfahrzeuge sinkt, der Hochlauf der Elektromobilität verzögert sich, der Wettbewerb wird härter. Dazu kommen laut Schaeffler überdurchschnittlich hohe Personalkosten pro Kopf in Deutschland und eine Organisation mit zu vielen Führungsebenen.

Diese Standorte sind betroffen

Insgesamt sind 16 Standorte in Europa vom Abbau betroffen. Rund die Hälfte der Stellen entfällt auf die Produktion, 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung, der Rest auf andere Bereiche.

  • Dortmund und Morbach: Die beiden Werke mit 430 bzw. 160 Beschäftigten stellen Produkte für Verbrennungsmotoren her und sollen geschlossen werden.
  • Berlin: Die Aktivitäten am Standort mit rund 270 Beschäftigten sollen eingestellt werden.
  • Schwalbach: Der Standort im Taunus wird aufgegeben. Ein Großteil der rund 385 Beschäftigten soll nach Frankfurt wechseln, rund 190 Stellen fallen weg.
  • Weitere deutsche Standorte: In Höchstadt endet der Werkzeugbau, in Erlangen und Schweinfurt wird der Sondermaschinenbau angepasst. Kapazitäten werden außerdem in Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg reduziert.
  • Ausland: In Haguenau und Toulouse in Frankreich sowie Skalica und Kysuce in der Slowakei werden Produktion und Entwicklung verkleinert. Das Werk in Herstal in Belgien mit rund 15 Beschäftigten wird geschlossen.

Bezogen auf die Stammbelegschaft von 31.957 Mitarbeiter:innen in Deutschland fallen damit bis 2028 rund 9 Prozent der Stellen weg. Rechnet man frühere Programme und 1.800 bereits unterzeichnete Altersteilzeitverträge dazu, sind es rund 18 Prozent. Schon im November 2024 hatte Schaeffler den Abbau von 4.700 Stellen in Europa angekündigt, davon 2.800 in Deutschland.

Gehaltsverzicht bis in den Vorstand

Neu ist ein sogenannter Solidaritätsbeitrag. Er soll unter anderem einen befristeten, freiwilligen Gehaltsverzicht über alle Hierarchieebenen umfassen, beginnend beim Vorstand. Die Details müssen noch mit den Gremien abgestimmt werden. Ohne diesen Beitrag wäre der Stellenabbau laut Schaeffler noch größer ausgefallen.

„Das wichtigste Element des Programms, auch im Vergleich zu vorangegangenen Programmen, ist der Solidaritätsbeitrag“, sagt Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Das Programm solle zeigen, dass es möglich sei, in Deutschland und Europa langfristig wettbewerbsfähig zu produzieren. Voraussetzung dafür sei, Standorte zu konsolidieren und die Personalkosten pro Kopf zu senken.

Die Einmalkosten beziffert Schaeffler mit rund 480 Millionen Euro, der Großteil soll noch heuer als Rückstellung verbucht werden. Ab 2030 sollen die Maßnahmen jährlich rund 300 Millionen Euro bringen. Umgesetzt wird überwiegend 2027 und 2028. „Als Familienunternehmen ist es uns besonders wichtig, dass wir die notwendigen Maßnahmen im engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen sozialverträglich umsetzen“, sagt Personalvorständin Astrid Fontaine.

Die IG Metall sieht das kritisch. Bei Schaeffler folge inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt seien, sagte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der Gewerkschaft, laut dpa-AFX. „Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.“

Die Zahlen nach neun Monaten

Fast zeitgleich hat Schaeffler seine Zahlen für die ersten neun Monate vorgelegt. Der Umsatz lag mit 17,5 Milliarden Euro währungsbereinigt nahezu auf Vorjahresniveau, das operative Ergebnis (EBIT vor Sondereffekten) stieg um 6,5 Prozent auf 794 Millionen Euro, die Marge auf 4,5 Prozent. Unterm Strich blieb ein Konzernergebnis von 11 Millionen Euro nach einem Minus von 244 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Sparten entwickelten sich unterschiedlich: Das Verbrennergeschäft Powertrain & Chassis verlor 4,6 Prozent Umsatz, verdiente mit einer Marge von 10,8 Prozent aber weiter gut. Die Sparte E-Mobility wuchs um 4,6 Prozent, schrieb operativ aber ein Minus von 571 Millionen Euro, dazu kamen Sonderbelastungen von rund 240 Millionen Euro wegen schwacher China-Projekte europäischer Autohersteller. Der Free Cash Flow lag bei minus 40 Millionen Euro, die Nettoschulden bei 5,3 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigte Schaeffler Ende September 108.004 Menschen, rund 4.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Prognose für 2026 bestätigte der Konzern.

Schaeffler ist mit dem Stellenabbau nicht allein. Auch andere große Zulieferer wie Bosch, ZF und Continental haben in den vergangenen Jahren tausende Stellen in Deutschland gestrichen oder den Abbau angekündigt.

Parallel dazu: der Einstieg in die Robotik

Einen Teil der wegfallenden Jobs will Schaeffler durch neue Stellen in Wachstumsfeldern ausgleichen. „Neben unserem Fokus auf der Weiterentwicklung des Kerngeschäfts bieten sich der Schaeffler Gruppe vielversprechende Wachstumschancen in Zukunftsfeldern, vor allem in den Bereichen Humanoide Robotik und Verteidigung“, sagt Produktionsvorstand Jochen Schröder. Dabei könne man auf Know-how aus dem Kerngeschäft zurückgreifen.

In der Robotik hat Schaeffler in den vergangenen Monaten mehrfach investiert und Abnahmeverträge geschlossen:

  • Humanoid: Schaeffler beteiligte sich an der Finanzierungsrunde des Londoner Roboterbauers über 133 Millionen Euro, der seither als Unicorn gilt. Laut Forbes sollen bis 2032 mindestens 1.000 Roboter von Humanoid in Schaeffler-Werken arbeiten. Die erste Phase startet im Dezember in Herzogenaurach und Schweinfurt. Umgekehrt soll Humanoid mindestens eine Million Antriebe von Schaeffler kaufen.
  • Neura Robotics: Auch an der Finanzierungsrunde über 1,4 Milliarden Dollar (rund 1,26 Milliarden Euro) des deutschen Robotik-Unicorns war Schaeffler beteiligt. Neura trainiert seine KI-Modelle unter anderem mit Daten von Schaeffler.
  • Lighthouse Factory: Im chinesischen Taicang hat Schaeffler kürzlich eine Fabrik eröffnet, in der Humanoide Gelenkmodule für die nächste Generation von Humanoiden montieren. Dort startet auch die Serienfertigung dieser Antriebe. Im dritten Quartal gewann Schaeffler in China zwei neue Kunden, der weltweite Auftragseingang in der humanoiden Robotik stieg auf rund 400 Millionen Euro.
  • Wandelbots: Mit dem Dresdner Startup hat Schaeffler eine Technologiepartnerschaft geschlossen. Dessen Software-Plattform NOVA soll Standard in allen Schaeffler-Werken werden und die Automatisierungskosten um bis zu 40 Prozent senken.
  • Komponenten: Getriebe, Antriebe, Sensoren und Lager von Schaeffler machen laut Unternehmen rund die Hälfte der Materialkosten eines typischen Humanoiden aus. Rosenfeld sprach im Frühjahr von Gesprächen mit rund 45 Robotik-Firmen weltweit.
Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien
#glaubandich CHALLENGE: SVAN triumphiert in Klagenfurt

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen

Newsletter

Founders Dispatch

Zwei Mal pro Woche kostenlos in die Inbox: die wichtigsten Startups, Deals und Tech-Entwicklungen aus Europa, handgeschrieben von der Redaktion.

Jederzeit abbestellbar. Mehr über den Newsletter