business99: bank99 setzt im KMU-Geschäft auf die Post-Filialen
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Qonto, Holvi, N26 und Co. haben Apps, bank99 hat die Post: Die Banktochter der Österreichischen Post steigt mit business99 ins Geschäft mit Firmenkund:innen ein. Das Paket aus Geschäftskonto, Firmenkreditkarte und Sparprodukten richtet sich an Selbstständige, Freiberufler:innen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften bis hin zur GmbH, AG und FlexKapG. Die Kontoeröffnung läuft komplett online.
Damit betritt bank99 einen dicht besetzten Markt. Die etablierten Banken von Erste Bank und Sparkassen über Raiffeisen bis Bank Austria und BAWAG haben seit Jahren eigene Geschäftskonten im Programm. Dazu drängen digitale Anbieter nach Österreich: Die französische Neobank Qonto ist seit Herbst 2024 am Markt und will mit einer Banklizenz auch Kredite vergeben, die finnische Plattform Holvi hat einen Standort in Österreich eröffnet. Dazu kommen Finom aus den Niederlanden sowie die Business-Angebote von N26 und Revolut.
Drei Kontomodelle ab 9,99 Euro
bank99 bietet drei Varianten an, die sich nach Umsatz, Buchungsvolumen und Bargeldbedarf unterscheiden. Ein Wechsel zwischen den Modellen ist jederzeit möglich, Online-Banking, App und Debitkarte sind immer dabei.
- smartkonto99 business: Das Einstiegsmodell mit unbegrenzten Buchungszeilen kostet 19,99 Euro im Monat. Solange die jährlichen Kontoein- oder -ausgänge unter 250.000 Euro bleiben, gibt es 10 Euro Rabatt, also 9,99 Euro monatlich.
- aktivkonto99 business und topkonto99 business: Die beiden größeren Modelle richten sich an Betriebe mit mehr Umsatz.
- sparen99 business: Für Rücklagen etwa für Steuervorauszahlungen gibt es ein Tagesgeldkonto ohne Mindesteinlage und Festgeld mit sechs, zwölf oder 24 Monaten Laufzeit, jeweils ohne Kontoführungsgebühr.
- Kreditkarte: Optional gibt es die Mastercard World Business Traveller von card complete in Gold und Black, unter anderem mit Zugang zur VIENNA Lounge und zum FastTrack am Flughafen Wien.
Zum Start lockt bank99 mit Rabatten. Wer bis Jahresende ein Geschäftskonto eröffnet, zahlt sechs Monate keine Kontoführung, mit dem Kontowechselservice sind es zwölf Monate. Die Kreditkarte ist im ersten Jahr gratis, Neukund:innen bekommen auf das Tagesgeld drei Monate lang 2,75 Prozent Zinsen.
Wodurch sich bank99 abheben will
Beim Preis allein kann bank99 die Neobanken nicht unterbieten. Holvi etwa bietet sein Geschäftskonto Holvi Flex in der Grundversion ohne monatliche Fixkosten an. Die Post-Bank setzt deshalb auf etwas, das reinen Online-Anbietern fehlt: rund 1.700 Postfilialen und Postpartner in ganz Österreich.
„Kleine und mittlere Betriebe sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft, gerade abseits der Ballungsräume. Überall dort sind wir auch mit unserem Filialnetz präsent“, sagt Bernhard Hohenegger, Vorstand Markt der bank99. „Mit business99 bieten wir Unternehmen ein schlankes, transparentes Paket aus Konto, Karte und Sparprodukten, digital nutzbar und mit Betreuung vor Ort.“
Konkret heißt das: Beratung gibt es telefonisch, per Video-Termin oder in den Filialen. Dazu kommt das Thema Bargeld, das für viele Handwerksbetriebe, Wirt:innen und Händler:innen auf dem Land nach wie vor zum Alltag gehört. Der Bargeldbedarf ist bei bank99 ausdrücklich eines der Kriterien für die Wahl des Kontomodells, reine Online-Banken haben dafür keine eigenen Schalter. Ein weiteres Argument ist die Kombination aus Konto und verzinstem Sparen bei einer österreichischen Bank mit Vollbanklizenz.
Langfristig will bank99 mehr sein als ein Kontoanbieter. Man wolle für Unternehmen „erste Anlaufstelle in Finanzfragen“ werden, „vom ersten Gehaltskonto bis zur Firmenfinanzierung“, sagt Hohenegger. Ein Firmenkredit ist im aktuellen Paket allerdings noch nicht enthalten.
Erst seit Kurzem in der Gewinnzone
Für bank99 ist das Firmenkundengeschäft auch eine Frage der Rentabilität. Die 2020 gegründete Post-Bank, die später auch das Privatkundengeschäft der ING in Österreich übernommen hat, hat 2025 erstmals die Gewinnschwelle erreicht. Nach einem Minus von 5,6 Millionen Euro im Jahr davor stand ein Ergebnis nach Steuern von 1,1 Millionen Euro. Die Bilanzsumme lag bei 4,2 Milliarden Euro, das Kreditvolumen bei 2 Milliarden Euro, betreut werden mehr als 300.000 Kund:innen.
Schon damals hatte bank99 den Aufbau eines KMU-Geschäftsfelds für 2026 angekündigt. Ob die Filialen den Ausschlag geben, muss sich zeigen. Die Neobanken wachsen kräftig: Qonto zählte zuletzt mehr als 600.000 Geschäftskund:innen in Europa und will diese Zahl bis 2030 auf zwei Millionen verdreifachen.

