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Tesla Roadster: Cooler Partytrick, fraglicher Nutzen

Rear of the new Tesla Roadster with its light bar and four cold-gas thruster nozzles
The rear of the Roadster with four cold-gas thruster nozzles. © Tesla

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Der einzige Tesla Roadster, der bisher wirklich geflogen ist, kreist seit 2018 um die Sonne: Elon Musk schoss seinen privaten Roadster der ersten Generation damals mit einer Falcon Heavy ins All. Jetzt lässt der Tesla-Chef auch den Nachfolger abheben, zumindest auf dem SpaceX-Testgelände in Texas. Bei der Enthüllung des neuen Roadster sprang das Auto über geparkte Teslas und fuhr kopfüber eine Rampe entlang. Einer der bekanntesten Tech-Kritiker der Welt ist davon wenig beeindruckt. „Das ist ein Scherz, oder?“, schrieb YouTuber Marques Brownlee alias MKBHD auf X und legte mit einem eigenen Reaktionsvideo nach. Seine Kritik trifft wunde Punkte.

Wo ist das alte Modell?

Brownlee weiß, wovon er spricht. Er gehörte 2017 zu den ersten Kund:innen, die für den damals angekündigten Roadster 50.000 Dollar angezahlt hatten. Ausgeliefert werden sollte das Auto 2020. Versprochen waren vier Sitze und rund 1.000 Kilometer Reichweite. Daraus wurde nichts. Nach acht Jahren Warten stornierte Brownlee eine seiner beiden Reservierungen, telefonierte tagelang Mailboxen ab und wartete dann noch wochenlang auf sein Geld. „Tesla hat acht Jahre lang mit meinen 50.000 Dollar dagesessen“, sagte er damals in seinem Podcast Waveform.

Das neue Modell hat mit dem Versprechen von 2017 nur noch den Namen gemein. Es hat zwei Sitze statt vier und kommt laut Tesla auf rund 500 Kilometer Reichweite, also etwa die Hälfte. Gebaut werden soll es ab 2028. Einen Preis nennt Tesla bis heute nicht, wohl aber eine Anzahlung von 50.000 Euro für Kund:innen in Europa. Dass alle Vorbestellungen tatsächlich ausgeliefert werden, garantiert Tesla laut InsideEVs ausdrücklich nicht.

Darf der überhaupt auf die Straße?

Die spektakulärsten Szenen der Show wird man auf öffentlichen Straßen nie sehen. „Mehrere Teile dieser Demo wären nicht straßenzulässig“, schrieb Brownlee. Tesla selbst bestätigt das zumindest für die Topversion Rocket mit zehn Düsen: Sie ist ausdrücklich nicht für den Straßenverkehr zugelassen und nur auf Einladung erhältlich. Bei der Version Thrust mit Düsen am Heck schweigt Tesla zur Zulassung. Musk selbst sagte, er sei sich nicht sicher, ob das Auto überall legal sei, und fügte hinzu: „Hängt von deiner Straße ab.“ Auch an die Fahrer:innen hat Tesla offenbar nicht zuerst gedacht. Der Roadster sei „nicht unbedingt ein auf Sicherheit optimiertes Auto“, so Musk.

Brownlee bezweifelt zudem die Leistungsdaten. Ein Straßenreifen, der die angekündigten Geschwindigkeiten aushält, sei noch nicht erfunden, schrieb er. Die Rocket-Version hält er ohnehin für ein Phantom. „Es gibt keine Chance, dass du oder ich dieses Auto kaufen können“, sagt er in seinem Video. Die Basisversion mit Saugventilatoren könne er sich dagegen als echtes Produkt vorstellen.

Ein Drucktank im Rücken

Besonders heikel ist, was hinter den Sitzen steckt. Dort sitzt bei den Düsen-Versionen ein Drucktank, in dem die Luft laut Electrek mit rund 10.000 PSI gespeichert wird, umgerechnet etwa 690 bar. Das ist ungefähr der Druck, mit dem Wasserstoffautos tanken. Bei der Rocket-Version ersetzt ein zweiter Tank mit 400 Litern sogar den Beifahrersitz. Es handelt sich um kohlefaserummantelte Drucktanks, sogenannte COPVs, ein Standardbauteil aus SpaceX-Raketen. Dort waren solche Tanks allerdings auch an mehreren Explosionen beteiligt.

Was bei einem Unfall mit dem Tank im Rücken des Fahrers passiert, hat Tesla nicht erklärt. Electrek wirft genau diese Frage auf, ebenso die, ob ein Mensch die Manöver bei Sprüngen und Drehungen überhaupt verkraften und kontrollieren kann. Bei der Show saß niemand am Steuer, das Auto fuhr autonom, das Publikum stand weit entfernt. Laut TechRadar bräuchten Fahrer:innen für solche Manöver eher einen Bügel wie in der Achterbahn als einen normalen Sicherheitsgurt.

Eine Dreckschleuder im Wortsinn

Die Düsen blasen reine Druckluft aus Tanks mit zusammen 600 Litern, verbrannt wird dabei nichts. Zur Dreckschleuder werden sie trotzdem, und zwar im wörtlichen Sinn. Die Gasstrahlen reichten bei der Show mehrere Dutzend Meter weit und können laut Electrek Steine, Schmutz und Gummiabrieb der Reifen in Richtung Publikum schleudern. Die vier Heckdüsen sollen zusammen mehr als 80 Kilonewton Schub erzeugen. Wer im Stau dahinter steht, hätte ein Problem. Zuschauer:innen in mehreren Dutzend Metern Entfernung trugen laut Electrek Ohrstöpsel, so laut war der Wagen.

Auch die Energiebilanz ist fraglich. Die Tanks wieder zu befüllen dauert laut Electrek derzeit sechs bis sieben Stunden, Tesla will das auf eine halbe Stunde drücken. Die Düsen selbst laufen bei voller Leistung nur wenige Sekunden. Für eine Runde auf der Rennstrecke dürfte das reichen, für den Alltag kaum.

Wozu überhaupt springen?

Bleibt die Frage nach dem Sinn. Electrek nennt den Sprung einen „Partytrick“ ohne jeden Nutzen für die Fahrleistung. Im Gegenteil: Schub nach oben entlastet die Reifen und kostet Grip. Sinnvoll seien allenfalls seitliche Düsen, die in Kurven zusätzliche Kraft liefern, ohne auf die Haftung der Reifen angewiesen zu sein. Das Ganze bringt zusätzliches Gewicht und Komplexität ins Auto. Mit unter 1.700 Kilogramm wiegt der neue Roadster laut Electrek rund 450 Kilogramm mehr als das Original von 2008.

Für Tesla ist der Roadster ohnehin vor allem Marketing. Die Analysten von Morningstar rechnen mit rund 2.000 verkauften Autos pro Jahr, Musk selbst glaubt nicht, dass das Auto beim Umsatz viel bewegt. Auch an der Börse verpuffte die Show schnell. Vor Handelsbeginn am Freitag lag die Tesla-Aktie noch fast 5 Prozent im Plus, zum Handelsschluss stand sie mit 354,72 Dollar (rund 316 Euro) rund 2 Prozent im Minus, wie The Motley Fool berichtet. Investor Gene Munster sprach von einer technischen Machtdemonstration, die der Aktie wenig bringe. Die Anleger:innen blicken bereits auf die Quartalszahlen in der kommenden Woche. Wichtiger ist die Show für die enge Verzahnung mit SpaceX, die zuletzt Gerüchte über eine Fusion befeuert hat. Brownlee fasst es in der Beschreibung seines Videos zusammen: „Tesla macht kein Marketing. Bis sie es tun.“

Die Gegenseite

In Tesla-Fankreisen stößt Brownlees Kritik auf Widerspruch. Das Argument: Kein anderer Hersteller habe ein Auto gezeigt, das mit Raketentechnik kopfüber fahren und springen kann, und die Basisversion Performance sei ausdrücklich für die Straße gedacht. Tatsächlich verzichtet sie auf die Düsen und setzt nur auf Saugventilatoren, die auch im Alltag beim Bremsen und in Kurven mehr Grip bringen sollen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 in deutlich unter zwei Sekunden würde den Roadster auch ohne Flugshow an die Spitze der Elektro-Sportwagen setzen, falls Tesla die Angaben einhält.

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