Starshield-Drosselung: Selenskyj spricht von „geplanter Operation“
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Auf dem SpaceX-Gelände in Texas hebt ein Sportwagen ab, in der Ukraine bleiben Abfangdrohnen am Boden: In derselben Woche, in der Elon Musk den neuen Tesla Roadster mit Kaltgas-Düsen von SpaceX schweben ließ, kämpft das ukrainische Militär mit gedrosselten Satellitenverbindungen aus Musks Raumfahrtkonzern. Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht inzwischen von einer „geplanten Operation“, wie Axios berichtet. Die Einschränkungen würden nur in der Ukraine gelten, in der EU dagegen nicht.
Der Test an der Grenze
Begonnen hatte alles in der Nacht auf vergangenen Mittwoch. Ohne Vorwarnung waren die Starshield-Terminals, die Militärversion von Starlink, für schnelle Fahrzeuge und Drohnen nur noch eingeschränkt nutzbar, wie wir bereits berichtet haben. Zwar meldete das ukrainische Verteidigungsministerium tags darauf, die Verbindung in Bewegung funktioniere wieder. Laut Selenskyj ist das Problem aber nicht gelöst.
Um das zu belegen, ließ die Ukraine am Freitag Autos mit Starlink-Terminals durch EU-Länder fahren. Dort hielt die Verbindung auch bei 180 Kilometern pro Stunde. Kaum waren die Fahrzeuge in der Ukraine, brach sie bei 161 Kilometern pro Stunde ab. „Die Schlussfolgerung ist, dass die Einschränkungen innerhalb der Ukraine gelten, aber nicht in den Ländern der Europäischen Union“, sagte Selenskyj. Vor der Drosselung funktionierte das Netz laut ukrainischen Angaben bei Drohnen mit bis zu 400 Kilometern pro Stunde.
Schwere Folgen für die Luftabwehr
Die Folgen sind gravierend. Russische Shahed-Drohnen mit Strahltriebwerk sind schneller als das neue Limit. „Wir können Starlink oder Starshield heute auf unserem Gebiet nicht nutzen, um Shaheds mit Strahltriebwerk abzuschießen“, sagte Selenskyj laut CBS News. Bricht die Verbindung ab, verliert die Ukraine die Kontrolle über ihre Abfangdrohnen. Betroffen sind laut Kiew auch Langstreckenangriffe auf Russland, die Aufklärung und die Versorgung der Truppen an der Front per Drohne. Selenskyj nannte die Lage „sehr schmerzhaft und frustrierend“, weil sie Menschen russischen Drohnen schutzlos ausliefere.
Die Drosselung fällt in eine Phase schwerer russischer Angriffe. Am Samstag griff Russland laut Selenskyj mehr als 15 kritische Energieanlagen in der Ukraine an. Zudem habe Kiew bei ballistischen Raketenangriffen auf die Hauptstadt an zwei aufeinanderfolgenden Nächten nicht die übliche Vorwarnung westlicher Partner erhalten. Trump betont, die USA hätten den Austausch von Geheimdienstinformationen nicht eingestellt.
Musk zeigt nach Washington
Wer hinter der Drosselung steckt, ist umstritten. SpaceX erklärte ukrainischen Stellen, es handle sich um ein technisches Problem, auf Anfragen des Verteidigungsministeriums antwortet das Unternehmen laut Selenskyj nicht mehr. Musk selbst weist die Verantwortung von sich. „Starshield-Systeme gehören der US-Regierung und werden von ihr kontrolliert“, schrieb er auf X. Über Einschränkungen entscheide das US-Militär und „letztlich der Präsident“. Zugleich postete Musk: „Zeit für Selenskyj zu gehen.“
US-Präsident Donald Trump bestreitet jede Beteiligung. „Ich war es nicht, und ich glaube nicht, dass es Elon war“, sagte er. Außenminister Marco Rubio sagte, niemand in der US-Regierung habe eine Drosselung angeordnet, das System laufe wieder. Er sei sich nicht sicher, ob Selenskyj wisse, wovon er rede. Der Telegraph berichtete dagegen, Musk habe Trump die Drosselung vorgeschlagen. Das Weiße Haus nannte das „völlig falsch“.
Raketen und Roadster aus demselben Haus
Der zeitliche Zusammenfall wirft ein Schlaglicht auf Musks Firmengeflecht. Die Roadster-Show fand auf dem SpaceX-Testgelände in McGregor statt und begann mit dem Testlauf eines Raptor-Triebwerks. Die Düsen, mit denen der Sportwagen schwebt, stammen von SpaceX, und Gerüchte über eine Fusion von Tesla und SpaceX machen die Runde. Derselbe Konzern betreibt mit Starlink das Netz, von dem die ukrainische Armee abhängt. Echte europäische Alternativen gibt es bisher kaum: Eutelsat OneWeb hat deutlich weniger Satelliten im All, das EU-Netz IRIS² soll erst gegen Ende des Jahrzehnts einsatzbereit sein.
Diplomatisch wird weiter verhandelt. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umerow sprach am Freitag mit Trump-Berater Jared Kushner über Starlink. In der kommenden Woche sollen sich Teams beider Länder zum jüngsten US-Vorschlag für ein Ende des Krieges treffen.

