Open Cosmos: Britisches SpaceTech für Satelliten holt 300 Millionen Euro Investment
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Im europäischen SpaceTech geht es derzeit Schlag auf Schlag. Der europäische Satellitenhersteller Open Cosmos hat eine Finanzierung über 300 Millionen Euro abgeschlossen. Die von Lightrock angeführte Runde soll den Ausbau der Satellitenproduktion sowie von Diensten für Erdbeobachtung, Kommunikation und Datenauswertung finanzieren. Auch The Exploration Company und Isar Aerospace haben zuletzt Finanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe bekannt gegeben.
An der Runde von Open Cosmos beteiligen sich unter anderem ETF Partners, das Institut Català de Finances, Entrepreneurs First und zwei nicht namentlich genannte internationale Pensionsfonds. Hinzu kommen Trill Impact, Convex Group, der britische National Security Strategic Investment Fund, Phoenix Court und Claret Capital Partners. Eine Unternehmensbewertung wird in der Mitteilung nicht genannt.
Vier Fabriken und knapp 400 Mitarbeiter
Open Cosmos entwickelt, baut und betreibt Satelliten für Regierungen, Raumfahrtagenturen sowie Unternehmen aus Bereichen wie Energie und Infrastruktur. Das Unternehmen beschäftigt knapp 400 Mitarbeiter an Standorten in Großbritannien, Spanien, Portugal und Griechenland. Seine vier europäischen Fabriken verfügen nach eigenen Angaben zusammen über die Kapazität, einen Satelliten pro Tag zu produzieren.
In den vergangenen dreieinhalb Jahren hat Open Cosmos laut Mitteilung Kundenverträge im Gesamtwert von mehr als 370 Millionen US-Dollar unterzeichnet. Das Unternehmen berichtet zudem von fünf aufeinanderfolgenden Jahren profitablen Wachstums, veröffentlicht dazu allerdings keine konkreten Umsatz- oder Gewinnzahlen.
Erdbeobachtung und Kommunikation sollen zusammenwachsen
Mit dem neuen Kapital will Open Cosmos mehrere Angebote ausbauen. OpenConstellation ermöglicht Regierungen und Organisationen die gemeinsame Nutzung von Satelliteninfrastruktur zur Erdbeobachtung. ConnectedCosmos soll Breitbandverbindungen und die Kommunikation vernetzter Geräte bereitstellen. Über DataCosmos werden Satellitenbilder und Sensordaten ausgewertet. Geplant ist außerdem eine Vergrößerung der Teams für Entwicklung, Fertigung und Software.
„Indem wir Satelliten, sichere Kommunikation und KI-gestützte Datendienste zusammenführen, schaffen wir ein System, das Informationen aus dem Orbit in eine Handlungsgrundlage für Regierungen und Unternehmen verwandelt“, sagt Rafel Jorda Siquier, Gründer und CEO von Open Cosmos, in der Mitteilung. Die Investition soll dem Unternehmen zufolge helfen, bestehende Satellitenaufträge abzuarbeiten und eigene Kommunikations- und Datendienste auszubauen.

Die Verknüpfung dieser Dienste soll Informationen aus dem All schneller verfügbar machen. Laut Open Cosmos hat die jüngste Generation seiner Erdbeobachtungssatelliten die Zeit bis zur Bereitstellung ausgewerteter Daten von bis zu 48 Stunden auf im besten Fall 30 Minuten verkürzt. Zum Einsatz kommen dabei KI-Verarbeitung direkt an Bord und Kommunikation zwischen Satelliten. Ein mögliches Anwendungsgebiet ist die Früherkennung von Waldbränden: Satelliten sollen auffällige Temperaturanstiege erkennen und entsprechende Informationen auch in Regionen ohne terrestrische Internetverbindung übermitteln.
The Exploration Company meldet ebenfalls große Finanzierungsrunde
Auch The Exploration Company hat kürzlich frisches Kapital für den Ausbau europäischer Weltrauminfrastruktur angekündigt. Das deutsch-französische Raumfahrtunternehmen meldete eine Series-C-Runde über 450 Millionen US-Dollar. Angeführt wird sie von Bessemer Venture Partners, Atomico und dem von EQT verwalteten Scaleup Europe Fund. Das Geld soll vor allem in die wiederverwendbare Raumkapsel Nyx und das Raketentriebwerk Storm fließen. Die Finanzierung steht noch unter dem Vorbehalt erforderlicher regulatorischer Genehmigungen.
ESA-Vertrag mit bis zu 760 Millionen Euro Volumen
Kurz darauf folgte ein ESA-Vertrag mit einem möglichen Gesamtvolumen von 760 Millionen Euro. Davon entfallen 310 Millionen Euro auf eine Demonstrationsmission der Nyx-Kapsel zur Internationalen Raumstation ISS. Weitere 450 Millionen Euro sind für zwei optionale Servicemissionen vorgesehen, deren Beauftragung noch bestätigt werden muss.
Der Auftrag ist Teil des Programms ALADDIN, mit dem die ESA eine eigenständige europäische Fähigkeit zum Transport von Fracht in die erdnahe Umlaufbahn und zurück aufbauen will.
Isar Aerospace: 270 Millionen Euro und erfolgreicher Flug in den Orbit
Bereits vor wenigen Monaten hatte das bei München ansässige Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace eine Series-D-Finanzierung über 270 Millionen Euro bekannt gegeben. Zu den neuen Kapitalgeber zählen Island Green Capital und Molten Ventures. Auch bestehende Investor wie HV Capital, Lakestar und UVC Partners mit Co-Investor KfW Capital beteiligen sich. Das Kapital soll die Serienproduktion der Trägerrakete Spectrum und die internationale Expansion vorantreiben, einschließlich eines weiteren Startstandorts in Kanada.
Kürzlich gelang dem Unternehmen zudem der erste erfolgreiche Flug seiner Spectrum-Rakete in die Erdumlaufbahn. Beim zweiten Testflug startete die Rakete vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya und setzte fünf Satelliten im Orbit aus. Mit an Bord war SpaceTeamSat1, ein vom TU Wien Space Team entwickelter Kleinsatellit. Mit dem Flug hat Isar Aerospace die Fähigkeit demonstriert, Satelliten in eine Umlaufbahn zu transportieren. Als nächster Schritt steht der Ausbau der Produktion für weitere Missionen an.

